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Der Umweltschützer Jewgeni Witischko wurde vor den Olympischen Winterspielen in Sochi 2014 verhaftet: © Yuliya Naberezhnaya

10.11.2015

Russland: Freilassung von Umweltschützer Jewgeni Witischko angekündigt

Der Umweltschützer Jewgeni Witischko (auch Yevgeniy Vitishko) soll endlich freigelassen werden. Er befindet sich in Haft, weil er gegen die verheerenden Umweltschäden, die durch die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele in Sotschi verursacht wurden, protestiert hat.

Auch die Regensburger Gruppe hatte sich im Rahmen der weltweiten Urgent Action für ihn eingesetzt.

Die angekündigte Freilassung ist eine erleichternde Nachricht für ihn und seine Familie. Seine Inhaftierung auf der Grundlage konstruierter Vorwürfe ist jedoch zugleich ein Beispiel für die beunruhigenden Taktiken der russischen Behörden, Kritikerinnen und Kritiker zum Schweigen zu bringen.

Jewgeni Witischko, ein bekanntes Mitglied der Umweltschutzorganisation "Ökologische Wacht im Nordkaukasus" (Ecologicheskaya Vakhta po Severnomu Kavkazu), musste im Februar 2014 eine 15-tägige Haft wegen konstruierter Vorwürfe im Zusammenhang mit "geringfügigem Rowdytum" verbüßen, weil er an einer Bushaltestelle geflucht haben soll. Unmittelbar danach trat er seine dreijährige Haftstrafe wegen Beschädigung eines Zaunes an, wobei es sich um eine rechtswidrig in einem Waldschutzgebiet errichtete Einzäunung handelte.

Am 10. November ordnete das zuständige Gericht seine Freilassung für den 20. November an, nachdem er bereits die Hälfte seiner Strafe in der Strafkolonie in der Oblast Tambow verbüßt hat.

Sergei Nikitin, Leiter von Amnesty International in Russland, teilte mit: "Nach monatelangem wachsendem internationalen und innenpolitischen Druck haben die russischen Behörden endlich nachgegeben und die Freilassung von Jewgeni angeordnet. Dies ist jedoch lediglich ein zynischer Schritt der russischen Behörden, deren einziges Ziel es gewesen ist, ihn während den Olympischen Winterspielen hinter Gittern zu halten - nach dem Motto: 'aus den Augen aus dem Sinn'."

Sergei Nikitin gab außerdem an: "Jewgeni Witischko hätte überhaupt nicht inhaftiert werden dürfen. Die Tatsache, dass er 20 Monate in einer Strafkolonie verbringen musste, ist die Folge eines Unrechtsurteils. Der nächste Schritt, um dieser Justizposse ein Ende zu setzen, ist, alle Anklagepunkte gegen ihn fallenzulassen."

Jewgeni Witischko wurde festgenommen und inhaftiert, nachdem er zusammen mit anderen Umweltschützerinnen und -schützern gegen die übermäßige Abholzung und weitere Umweltschäden, die im Zuge der Bauarbeiten am Olympiapark in Sotschi entstanden waren, protestiert hatte.

Witischko hatte während seiner Haft mehrere Tadel von den russischen Behörden erhalten, um seine Chancen auf eine Freilassung auf Bewährung zu verringern. Zu den ihm zur Last gelegten "Verstößen" zählten unter anderem, dass er einem anderen Insassen, dem kalt gewesen war, ein Kleidungsstück überlassen hatte; dass er zu einer nicht genehmigten Zeit auf seinem Bett gesessen hatte und sogar, dass er "Nachlässigkeit beim Jäten des Tomatenbeets" als Teil seiner Zwangsarbeit an den Tag gelegt hatte.

Amnesty International fordert die russischen Behörden auf, alle Anklagen gegen Jewgeni Witischko fallenzulassen.